600er-Brevet in OÖ

Eine Woche nach dem 400er folgt gleich der 600er. In dieser Woche war ich (wegen Schlechtwetter, wegen Selbstversorger-Garten-Stress – Paradieser, Chilis etc. wollten unbedingt raus – und „normal“ arbeiten war ich auch) weder „ausradeln“ noch „einradeln“, noch „Hose einschwitzen“, aber wurscht…
Seit Mittwoch mach ich mir schon Gedanken: „… wie leg ichs an – splitten, durchfahren mit ein oder zwei kurzen Schläfchen? …“. Ferdinand, der Randonneur-Präsident hat nämlich so ungefähr bei der Hälfte in einem Gasthaus etliche Zimmer reserviert. Aaaaber – wenn ich mich einmal ausziehe, dusche und in einem richtigen Bett liege, kann ich dann nach 3 oder 4 oder 5 Stunden wieder fröhlich auf und aufs Rad?
Ich buche kein Zimmer und will es drauf ankommen lassen (wenn ich früher 1 Wochenende durchsaufen durchfeiern konnte, werd ich doch wohl ein paar längere Stunden am Rad verbringen können – es ist ja mein 1. Sechshunderter). Allerdings hatte ich nicht so richtig bedacht, dass ich damals noch ungefähr 30 Jahre jünger war…

Die Ausrüstung ist fast ident wie beim 400er, es kommt nur zusätzlich (ich lerne ja immer dazu) eine Rettungsdecke dazu (Schlafsack ist mir zu schwer, und so eine Handlebar bzw. Lenkertasche hab ich auch – noch – nicht), wenn ich irgendwo für ein oder zwei Stunden ein Schläfchen machen will/muss. Und Brillenputztücher (*). Und ein Jausenpackerl (weil ich in der Nacht sicher wieder Hunger bekomme und es weit und breit keine 24-Std.-Tankstelle oder ähnliches gibt). Und sicherheitshalber eine Extra-Ration Riegel (*) und Gel (*)

Alles klar soweit. Ich lass mich für die „Start-um-06:00 Uhr-Gruppe“ eintragen. Route ist am Wahoo (*) und sicherheitshalber am Wischtelefon gespeichert. Die Wettervorhersage ist nicht so richtig eindeutig: „… heiter bis wolkig, vielleicht Regen und in der Nacht ist mit Dunkelheit zu rechnen …“. Und hat auch ungefähr gestimmt: Kurze Regenschauer zwischen km 150 und 250 oder so, aber nicht extrem. Ich trage kurz/kurz, Ärmlinge und Universalweste.
Es geht flach und relativ flott Richtung NO, über die Donau und dann Richtung Norden. Es finden sich bald die richtigen Gruppen, ich reihe mich ein und fahre mit einer 5er-Gruppe (Heidelinde, Stephan, ??? – bitte [natürlich nur wenn gewollt] in den Kommentaren ergänzen) und wir fahren bis zur 1. Kontrollstelle gemeinsam. Zwischen 1. und 2. Kontrollstelle löst sich die Gruppe irgendwie auf, es bilden sich neue Packeln, jede(r) versucht, das passende Tempo und den richtigen Rhythmus zu finden. Bei km 110 oder so ziehe ich meine Jacke aus – sonst komm ich weder zum Fotoapparat noch zum Wischtelefon – und 2 Kilometer weiter wieder an, es ist doch noch frisch.

Bei km 148, Kontrollstelle Nr. 2 gibts Spaghetti , Getränke, Wasserkanister zum Flaschen füllen stehen bereit und meine Packl-Kollegen sind auch schon wieder da. Wir fahren dann also wieder gemeinsam weiter. In Horn bei der Kontrollstelle Nr. 3 bei km 235 ist es Zeit für eine Pizza und einen Campari-Soda (das ganze Iso-Glumpert (*)  in den Trinkflaschen sorgt ja mit der Zeit auch für einen komischen Geschmack im Mund). Dann gehts weiter Richtung „Halbzeit“. Bei km 295 oder so fährt mein Vordermann über einen Ast, ich hörs nur splittern und krachen und irgendwie ist was in meinem Vorderrad. Wir bleiben aber nicht stehen, denn in Kürze ist sowieso ein Tankstellen-Stopp angesagt. Dort begutachte ich mein Vorderrad: Ein Ast hat sich wunderbar „eingespeicht“. Ausgefädelt und kontrolliert: keine lockeren Speichen, kein Achter, kein Höhenschlag – also eindeutig ein wunderbares Qualitätsprodukt (mein Vorderrad) von Klempner Wheels!

Ich nehme die Ratschläge meiner Mitfahrer ernst „… deck dich ein mit Futter und Getränken wennst durchfahrst – zwischen Michelndorf und Mariazell gibts nix in der Nacht …“ und kauf noch ordentlich ein. In Michelndorf stempeln, Knielinge anziehen, Reflex-Weste (*) an (es wird schön langsam dunkel) und weiter. Mein Plan ist, bis Mariazell zu fahren.
Allerdings hab ich die Strecke, die Kälte der Nacht etc. doch unterschätzt. Die 2. Hälfte der Strecke ist ungleich schwerer und schwieriger zu fahren (ist zumindest mein Eindruck). Auf einmal werde ich furchtbar müde, leg mich in einer Autobus-Haltestellen-Hütte für eine halbe Stunde hin. Hat nicht viel genutzt. Ein Stück weiter, in Kleinzell ein „Bankomat-Hotel“.

Hinein, auf den kalten Fliesen einige Werbebroschüren ausgelegt, eingewickelt in meine Rettungsdecke schlafe ich so ca. 4 Stunden mehr oder (eigentlich) weniger gut. Ein kleines kaltes Frühstück und weiter. Gut, dass es finster ist und ich alleine bin. Ich fluche, friere und quäle mich die Kalte Kuchl und den Ochssatel und… hinauf. Aber ich komm nach Mariazell. Bei der Kontrollstelle 5 gibts eine heiße Schokolade und 2 Buttersemmerln und es geht weiter.

Vor Göstling – Kontrollstelle 6 bei km 497 – werde ich von einigen überholt, ich glaub, ich bin grad am bergauf schieben (nicht das einzige Mal bei diesem 600er), steig wieder auf und kann aber nicht folgen. Bei der Tanke sind eh viele versammelt. Flaschen füllen, eine kleine Jause, weiter bis km 551. – Kontrollstelle 7 in Reichraming bei der Pizzeria Gourmet (wenn wer in der Gegend ist – sehr empfehlenswert. Tipp: kleine Calzone!).
Und auf gehts auf die letzten 50 Kilometer, die aber noch einige Überraschungen in Form von ein paar Stichen und schmierigen Anstiegen bieten. Aber dann auf den letzten Kilometern: Rückenwind, hurra! Und um 19:00 Uhr hab ich es geschafft. Etwas müde – die Beine und der Arsch tun schon weh – aber zufrieden bin ich nach insgesamt 37 Stunden im Ziel, alle Details wie üblich am großen Spatzi-/Mösen-Vergleichs-Portal zum schauen, staunen, lästern…

Der Präsident hat auch schon seine Geschichte fertig – gibts hier zum nachlesen. Und ich glaub, ich steig jetzt 2 Tage nicht aufs Rad und dann sollte ich vielleicht mit der Vorbereitung / dem Training für den 1.000er MItte Juni anfangen…


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2 Kommentare zu „600er-Brevet in OÖ

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