„Trainingslager“ Sardinien 2018/04

Donnerstag, 26.04.:
Ich bin ja noch ein Randonneur-„Lehrling“ und heute steht mein 1. Vierhunderter-Brevet auf dem Programm! Ordentlich frühstücken (schon wieder Pasta!), Radl herrichten – kleines Satteltascherl runter,  vom Radhändler meines Vertrauens ausgeborgten (danke Franz!) Ortlieb Saddle Bag (*) montiert, denn heute wird’s auch eine Nachtfahrt und es könnte in den Bergen kühl werden, also Reflektorweste (*) Ärmlinge, Knielinge, dickeres Unterleiberl, ein paar Riegel, Gels einpacken, die heiklen Körperstellen ordentlich einschmieren  und zum Briefing rollen…

Dort gibts dann eine Überraschung/Änderung: Die berühmte, alte Variante der SS125, die dem Brevet den Namen gibt, ist ab kurz nach Tertenia gesperrt und momentan unbefahrbar. Also Streckenverkürzung auf ca. 360 km, da so kurzfristig keine Umplanung möglich ist…

Start ist um 13:00 Uhr. Im Gegensatz zu „unseren“ Brevets, wo der Präsident immer ein Startfoto (und auch ein Zielfoto) macht, gehts in Sardinien einfach und unkompliziert zu: Der Präsident sitzt am Tischerl, trägt deine Startzeit in die Brevetkarte (ausnahmsweise in rosa) und Ciao! Es gibt nochmal den Hinweis „… stempeln in Tertenia und wieder zurück …“, ich steck meine Brevetkarte ein und fahre los.

In Orosei – bei km 60 winken mich die Randonneurs-Kollegen, die schneller waren, rechts ran ins Cafe, die 1. Pause ist angesagt. Kaffee, Croisant, ein Saftl, Flaschen füllen… Und ab dann gehts bergauf, bergauf, bergauf. Wunderschön, nicht extrem steil, aber die 40 km bis zum Passo Genna auf 1.017 m ziehen sich trotzdem.
Oben ist die 1. Kontroll-Stelle, zum Stempel gibt es noch auf Wunsch Pasta, Käse, Kuchen, Getränke und dann gehts wieder knapp 40 km (mit einigen Gegensteigungen) bergab. Irgendwann fahr ich auf Domenico auf, der irgendwo falsch abgebogen ist oder eine Abzweigung verpasst hat und wieder umdrehen musste und wir fahren gemeinsam weiter. Schön langsam wird es finster und um 21:30 Uhr erreichen  wir Tertenia. Wir stempeln unsere Brevet-Karte, ich hätte Hunger, aber die Pizzeria hat schon geschlossen. Also mein Packerl Schnitten, 2 Tramezzini, 1 Campari, 2 Kaffee, 1 Cola, Mineral zum Flaschen füllen, sitzen, durchschnaufen, ausrasten.
Es ist kühl, ich wechsle mein Unterleibchen, ziehe Ärmlinge und Knielinge an und mache Domenico klar, ich will wieder fahren, beim sitzen ist es anständig kühl, fast kalt. Er ist auch dafür und so fahren wir in die Nacht. Beim ersten Gerumpel (die Straßen sind nicht alle wunderbar) fliegt meine (zum Glück die Billigsdorfer) Stirnlampe aufs Bankett und löst sich in viele Einzelteile auf. Ab dann fahr ich halt nur mehr mit meiner Luxos U (*) und mach mir so allerhand Gedanken (mehr dazu später). Einen kurzen Kaffee- und Flaschenfüll-Stopp legen wir noch in Lotzorei bei einer noch geöffneten Bar ein und dann gehts wieder ca. 40 km bergauf bis zum Passo Genna. Domenico ist bergauf schneller, aber oben treff ich ihn wieder. Dort steht wieder/noch immer der Präsident mit seinem Wohnmobil, stempelt die Brevet-Karte und kredenzt wahlweise Kaffee, Tee, Kuchen… und kurz danach gehts weiter.
Bergab mit nur einem Licht ist Scheisse denk ich mir, ärger mich, dass ich nicht schneller fahren kann und kalt ist mir auch. Irgendwie wäre schon wieder eine Kaffee-Pause angesagt, aber in den wenigen Dörfern ist alles finster… Also kurbeln, kurbeln, kurbeln, restliche Kilometer zählen, noch einen Riegel, noch ein Gel, vorne fahren, wechseln, hinten fahren, wechseln, vorne fahren und dann sind wir (ich bin doch selber überrascht) um 08:05 Uhr wieder in Agrustos. „… 17:05:17 Bewegungszeit, 19:14:07 Verstrichene Zeit …“ sagt mein Wahoo ELEMNT (*).
Ich verabschiede mich von Domenico, wir verabreden uns für den Giro Sardegna 2019. Dann geh ich anständig frühstücken, stehe lange unter der Dusche, leg mich hin und notiere im Geiste, was ich heute gelernt habe:

      • Ein Licht alleine ist zu wenig, eine 2. Lampe (am Lenker) und eine „gescheite“ Stirnlampe sind schon notwendig,
      • Wenn ich einen Defekt gehabt hätte, wär ich ohne 2. Lampe aufgeschmissen gewesen,
      • Irgendwo/irgendwann – so zwischen km 150 und km 300 (je nach hm) wäre eine „gescheite“ Mahlzeit schon was feines gewesen (ich war auf den letzten Kilometern immer knapp am Hungerast und die Riegel und Gel waren dann schon bäääääh) und bei einem Zeitlimit von 27 Stunden (bei einem 400er) ginge sich ein schönes Menü auch aus…,
      • Bei einem Nachtbrevet vielleicht doch noch ein zusätzliches warmes Unterleiberl oder eine Garnitur zum umziehen mitnehmen (ist ja genug Platz im Saddle Bag).

Beim nächsten 400er (am 12.05. – diesmal in Oberösterreich) werd ich das hoffentlich alles umsetzen – ich werde wieder berichten!
Fotos gibts nur ein paar – es war ja viel finster!

„Trainingslager“ Sardinien – Teil 1Teil 2Teil 3 – Teil 4

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