Kektura mit dem Rad? Ein Versuch

Ich bin ja für ein Abenteuer immer zu haben. Einsame Gegenden (im relativ nahen Umkreis), selten befahrene Strecken, schöne Landschaft, wenig Menschen – so etwas liebe ich.

Und an irgend einem langen, kalten Winterabend bei meinen Streifzügen durch das Internet entdeckte ich den Országos Kéktúra. Das las sich sehr interessant an.

„… Der 1165 km langer Weg führt in nördlichen Gebieten Ungarns, vom Geschriebenstein (Írott-kő) bis Hollóháza und streift unsere größere Gebirge, die Hauptstadt und sogar den Plattensee (Balaton). Hinsichtlich seines Terrains, seiner Atmosphäre, seiner geologischen und kulturellen Werte ist dieser Landteil so wunderbar abwechslungsreich, dass wir mit jeder Strecke und jedem Tag, den wir auf der Blauen Landestour verbringen, mit unvergesslichen Erlebnissen reicher sein werden …“

Also besorge ich mir in Sopron (in Österreich nicht erhältlich) in einer Buchhandlung das offizielle Heft zum Stempeln (gibt’s auch nur in ungarisch), lade mir die Strecken herunter und teile sie in ungefähr 100-Kilometer-Stücke.

Am Donnerstag, den 28.07. schwinge ich mich auf mein Rad, fahre zum Bahnhof und mit dem Zug nach Deutschkreutz. Von dort aus auf bekannten Wegen nach Lockenhaus und rauf auf den Geschriebenstein.

Links hinein zur Aussichtswarte (obwohl ich – allerdings meist mit dem Rennrad – schon öfters am Geschriebenstein war, bei der Aussichtswarte war ich noch nie!).

Ich drücke den 1. Stempel in’s Heft, besteige den Turm und bewundere die Aussicht.

Dann geht es – teilweise auch bergab schiebend durch den Wald nach Köszeg. Ein paar kurze Verfahrer waren auch dabei, ich hab halt meinen Wahoo (*) doch noch nicht so ganz im Griff. In Köszeg fülle ich meine Trinkflaschen, kaufe mir eine Jause und weiter geht es. Asphaltierte Radwege, Forstautobahn, Waldwege… Es ist ordentlich warm, irgendwann gehen meine Wasser-Vorräte dem Ende zu, aber zum Glück liegt die Quelle Gradics forrás am Weg und spendet köstliches Quellwasser.

Danach folgen ein paar Stücke unfahrbarer (zumindest für mich mit meinem Packesel) Single-Trails, dann wieder schöne Wald- und/oder Wiesen-Wege, fahrbare Single-Trails, so geht es abwechslungsreich dahin.

In Sárvár denke ich mir, für heute ist es genug. Ziemlich voll, Booking (*) spuckt nicht besonders viele (günstige) freie Zimmer aus, aber zum herumfahren und suchen bin ich schon zu ermattet, so nehme ich das billigste Angebot.

Ein ehemaliger Gutshof (?), mit „altertümlicher“ Einrichtung, klemmenden Türen, aber mit bequemen Bett und gut funktionierender Dusche – was will man mehr? Auf die Frage „… wohin mit dem Rad …“ folgt Schulterzucken, also mit auf’s Zimmer. Im Brick Bistro gut und günstig gegessen und getrunken…
Waren doch fast 122 Kilometer sagt Strava.

Freitag, 29.07.:
Gut geschlafen, Frühstück war so, wie ich erwartet habe. Nicht aufregend, aber ok. Es geht weiter. Auf und ab, mit ein paar Rampen. Und alles wie gestern: Asphaltstücke, schöne Wald- und/oder Wiesen-Wege, fahrbare und unfahrbare Single-Trails…
Und dann, auf der langen (asphaltierten) Geraden vor dem Scherg Lőrinc kilátó hupt hinter mir ein Auto. Was soll das, es ist Platz genug. Auf einmal fährt der Pickup neben mir, aus dem Fenster höre ich: „… Hey, Rudi, what are you doing here? …“. Geh leck, einer der Organisatoren der ungarischen Gravel-Geschichten (wo ich ja 3mal dabei war) vom KLND macht gerade ein Strecken-Scouting für zukünftige Veranstaltungen.
Das ist eine Überraschung, absitzen, ein bißl plaudern und dann geht es weiter.
Ich erreiche das Ende so eines Hunderter-Paketes, genau bei einer Stempelstelle und einer kleinen Greißlerei, drück auf Stopp + speichern. Das deshalb, weil ich mir ja – wie üblich – einen „Schummelzettel“ gemacht habe – mit Kilometerangaben, wo gibt es Wasser, eine Greisslerei, eine Sehenswürdigkeit, einen Shelter…
Ich kaufe mir eine Jause, einen Eiskaffee, Limo, Wasser, jausne im Schatten und weiter. In der zweiten Hälfte des Tages wird es mühsamer. Heiss, staubig, mehr Trampelpfade und Rumpel-Pumpel-Wege neben abgeernteten Feldern, schwierig zu fahren. Endlich in Sümeg, eine Tankstelle, wieder köstlicher Eiskaffee und eiskalte Limo.
Ein Stück fahre ich noch, habe ich doch auf meinem Schummelzettel notiert: „… ca. 5 km nach Sümeg schöner Shelter mit Quelle …“.
Dort angekommen koche ich mir eine köstliche chinesische Packerlsuppe, verfeinert mit ungarischer Wurst, einen schwarzen Tee und dann richte ich mein Nachtlager her und ändere mit Wischtelefon und mapy.cz die Streckenplanung, denn:

  • Der Kektura ist definitiv nicht geeignet für ein Reiserad, eventuell mit MTB und ganz wenig Gepäck – es ist halt doch zu ungefähr 50% – 70% ein „richtiger“ Wanderweg und schlichtweg mühsam bis unmöglich zu fahren!

Ach ja, insgesamt 80 Kilometer – Teil 1 + Teil 2.

Samstag, 30.07.:
Die Nacht bringt eine Überraschung: Meine Isomatte (Markennennung nach Antwort auf meine Reklamation) verliert Luft, ich liege also sehr, sehr hart auf dem Wiesenboden!
Und dann fängt es zu regnen an, ja kurze, leichte Gewitter waren angesagt. Aber das ist doch ein ordentliches schweres Gewitter, sollte mir im Shelter ja nix ausmachen, sollte man meinen. Aber auf einmal regnet es ordentlich durch das Dach durch. Regengwand anziehen, Glumpert so schnell es geht zusammenpacken, der Schlafsack wird schon nass eingepackt…

Ich kurble im Regen die paar Kilometer nach Sümeg zurück, setzte mich in ein Kaffeehaus, ordere Frühstück, und studiere einige Wetter-Apps. Ja, super ich will/soll nach Süd-Osten, und genau dorthin zieht sich die nächsten zwei Tage die Gewitter-/Starkregen-Wolke.

Nicht das erste Mal heuer, ich bin heuer wie ein Magnet, was das schlechte Wetter betrifft. Also breche ich wieder einmal ab, rolle zum Bahnhof und kaufe mir ein Ticket (also nur für mein Rad, ich als Pensionist über 65 fahre ja in Ungarn gratis) und bin bald darauf wieder daheim…

Und / aber: Die nächsten Reisen sind schon in Planung – irgendwann muss ich doch auch Wetterglück haben!


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