STKP – Teil 2 – das war wohl nix (selber schuld)

Wie im letzten Blog-Artikel erwähnt, hatte ich ja wieder einmal eine gute Idee…

Mittwoch, 15.07.2020:
Ich gehe also spät schlafen, stehe sehr, sehr früh auf und sitze um 05:59 Uhr im Zug nach Wien. Dort wechsle ich in den RC151 Richtung Ljubljana. Pünktlich um 11:37 Uhr bin ich in Maribor.

Ich hole mir einen Kaffee, rolle zum „Haus der alten Rebe“ und hole mir den 1. Stempel im Tourenbuch. Ich starte meinen Wahoo (*), lade die erste gespeicherte Route (Etappe Nr.  29) und radle los. Das Wetter ist gut, die Stimmung auch. Bei einer Bäckerei mache ich noch einen kurzen Stopp. Weckerl für die Jause (Wurst etc. habe ich ja dabei), noch ein Kaffee in der Sonne, dann bin ich schon draußen aus Maribor und es geht bergauf, bergauf, bergauf.

Alles noch fahrbar, aber es zieht sich. Um 15:33 Uhr bin ich bei der Hütte „Mariborska koča“, ich freue mich auf ein kühles Getränk, aber die Hütte ist zu. Getränkemässig ist das ja egal, neben dem Weg ist meistens ein ordentlich kühler und erfrischender Bach. Na dann halt weiter. Es geht noch immer bergauf (und ich bin schon ein paar Mal im „Schiebemodus“), bergauf und bergauf und zwischendurch sogar ein wenig bergab. Laut meinen Notizen bin ich um 18:40 Uhr bei der Hütte „Koča na Pesku“ – auch ein Kontrollpunkt. Ich habe Hunger und bin auch schon etwas erledigt, will essen, will trinken und ich will ein Nachtquartier.
Aber nein, es gibt kein Zimmer/Matratzenlager. Wenn ich richtig verstanden habe, dürfen/wollen/können sie wegen Covid-19 keine Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Nächstmögliches Quartier? Schulterzucken. Also weiter.
Ich nehme versehentlich den falschen Weg, komme aber rechtzeitig drauf, drehe um und fahre dem Pfeil auf meinem Wahoo und den Markierungen „PT“ nach. Bis zur nächsten Hütte sind es noch über 20 Kilometer (davon sicher 10 bergauf), die Beine tun schon weh, es donnert und die Regenwolken werden dichter und kommen näher. Mein Sinewave USB-Charger (*) verrichtet ordentlich seinen Dienst (auch bei niedrigen Geschwindigkeiten) und so sind die Akkus von Wahoo und Wischtelefon gefüllt. Ich hock mich hin, studiere auf Mapy.cz die Gegend: wo ist die/der nächste Hütte/Unterstand? Ich sehe eine Hütte, hurra! Bald bin ich dort und vom Weg aus sehe ich ein Vorhängschloss an der Tür. Oha, das sieht nicht gut aus, aber zum Glück ist das Schloss nur eingehängt. Ich rolle Isomatte und Schlafsack aus, nebenbei koche ich mir Tee. Essen, trinken, Beine strecken, Strecke checken: 65,84 km + 1.985 hm sagt Strava! Ich liege kaum in meinem Schlafsack, beginnt es ordentlich zu regnen.

Donnerstag, 16.07.2020:
Ich muss irgendwann in der Nacht pinkeln, gehe vor die Türe und der Wind und der Regen hat noch nicht aufgehört. Ich kuschle mich noch für ein paar Stunden in meinen Schlafsack. Aufstehen, Tee kochen, zusammenpacken, missmutig in den Nieselregen starren. Aber es hilft nix. Regen-Jacke und -Hose anziehen. Aufsatteln. Es geht ungefähr 4 Kilometer leicht bergab und dann geht es wieder bergauf. Ein Stück kurble ich noch, dann kommen immer wieder so fiese Rampen mit 13% bis 15% und/oder auch mehr, ich muss vom Rad. Ich verfluche mein Gepäck und denke (wie gestern auch schon öfter) über eine neue Pack-Ordnung – zwecks Gewichtsoptimierung nach. Meine dahingehenden Überlegungen könnt ihr demnächst in diesem Beitrag nachlesen.

Etwas später hört der Regen wieder auf. Am späten Vormittag bin ich bei der Hütte „Ribniška koča“ („… Die Ribnica Lodge ist die höchste Berghütte im Pohorje-Gebirge …“), stemple mein Tourenbuch, gehe rein und genehmige mir eine Gulaschsuppe und ein paar Getränke. Dann geht es noch ein Stück bergauf – „… Von Ribniška koča geht es bergauf zum höchsten Gipfel von Pohorje (Črni vrh 1543 m) …“ und dann endlich wieder bergab. Aber auch bergab gibt es (für mich und mein Reiserad) ein paar Schiebe-Passagen. Irgendwann, viel später als eigentlich geplant, bin ich unten an der Drau, in Vuzenica. Ich setzte mich in ein Lokal für ein Jauserl und ein paar Drinks, studiere die Wetterlage (eher regnerisch) und die noch – für heute geplante – verbleibende Strecke. Es wären noch ca. 25 Kilometer (eigentlich nur bergauf) bis zur Hütte „Planinski dom Košenjak“ – dazwischen sehe ich auf Mapy.cz keinen Shelter. Für mich auf jeden Fall unfahrbar und ich denke über einen „Plan B“ nach.

Plan B bedeutet:
Entweder die Drau stromaufwärts, irgendwo ein Zimmer nehmen und dann über Villach oder so nach Hause gondeln oder die Drau stromabwärts, in Maribor ein Zimmer nehmen und dann über Graz und/oder Fürstenfeld oder so nach Hause gondeln…
Eingehendes Studium diverser Wetterportale – alle sagen: Du wirst nass, egal wo du hinfährst

Also die Drau abwärts. 5 Minuten nach dem Start beginnt es ordentlich zu regnen – die ganzen ca. 50 km bis Maribor. Wenigstens habe ich mein Regengewand nicht unnötig (wie schon oft) mitgeschleppt. Quartier in Maribor brauche ich keines suchen, ich war ja schon ein paar Mal da. Immer im UNI Youth Hostel (*) – zentral gelegen, günstig, sauber, Fahrräder kommen in den abgesperrten Käfig. Raus aus der nassen Wäsche, duschen, ein kurzes Nickerchen, der Regen hat aufgehört, und dann in’s „La Pizzeria“ – sehr grosse, sehr gute Pizzen! Dann ein Verdauungsspaziergang, ein paar Drinks und ab ins Hostel. Derweil ich die „Plan-B-Routen“ auf Komoot erstelle, variiere, verwerfe, neu erstelle, wieder variiere… – beginnt es wieder zu regnen. Nochmaliges Studium der diversen Wetterportale und es bleibt, wie es ist: rundherum nur Regen, Regen, Regen. Tag 2 auf Strava.

Also „Plan C“:
Ein Ticket buchen und mit dem Zug frustriert nach Hause…

Und was die „Unterbringung“ der Räder in österreichischen Zügen angeht: es geht so oder so…

Was hätte ich anders/besser machen sollen?

  • vorher besser informieren über Streckenbeschaffenheit, Einkehrmöglichkeiten…,
  • unbedingt analoges Kartenmaterial mitnehmen (habe ich sonst immer dabei, aber wegen der kurzfristigen Abreise nicht mehr bekommen),
  • nochmal die diversen Taschenmöglichkeiten und deren Beladung ausprobieren,
  • kontrollieren, ob der Akkudeckel (und der Akku) bei der GoPro ordentlich sitzt (drum gibt’s so wenig Fotos),
  • und noch ein paar Kleinigkeiten…

Tipps/Hinweise für „Nachfahrer“:

  • mit einem Crosser oder einem ordentlichen MTB mit ordentlicher Kondition und/oder dementsprechender Übersetzung mit leichtem Gepäck fahrbar,
  • analoges Kartenmaterial mitnehmen – auf Wahoo, Garmin, Wischtelefon ist der Ausschnitt immer zu klein. Es stehen zwar viele Infotafeln mit Karten, aber eine analoge Karte ist eine analoge Karte…,
  • Etappenlängen nach den Hütten planen, dazwischen gibt’s wenig bis gar keine Übernachtungs-/Verpflegungs-Möglichkeiten (was ich so grob herausgelesen habe),
  • Infoseiten: da (grundätzliche Infos), da (Etappen downloadbar) und da (Etappenbeschreibungen).

Fehlt noch was, will noch wer was wissen?


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