Wieder einmal kein Wetter-Glück in Tschechien, Teil 2

Donnerstag, 07.07.:
Nach dem Frühstück geht es ganz kurz bergab – nur den Berg hinunter, und dann stets leicht, aber doch, bergauf. Die Wetterlage ist nicht berauschend, so ca. +14°C, aber immerhin kein Regen (der kommt aber dann später etappenweise). Nach nicht ganz 60 Kilometern bin ich in Jesenik/Freiwaldau. Ich habe ein Foto einer „Villa“ mit – ob es die wohl noch gibt?
Hintergrund: Diese Villa und andere Besitztümer hier in der Gegend gehörten einst den (deutschen) Vorfahren meiner Frau, aber das ist eine andere (und lange) Geschichte…
Ich drehe halt ein paar Runden durchs Städtchen, befrage ein paar Einheimische – ohne Erfolg.

So nehme ich halt in einem Supermarkt eine kleine Jause, in der Legend-Bar noch einen Kaffee und eine Limo und mache mich dann wieder auf den Weg. Es geht schon wieder mit grauslichem Wind mehr bergauf, als bergab. Einmal leicht verfahren, weil ich mehr auf die Landschaft geschaut habe, als auf den Wahoo (*) und dann schon eigentlich bereit für ein Quartier. In Stare Mesto gibt es laut Google Maps einige Pensionen, aber nur laut Google Maps. Alle, bis auf eine entweder geschlossen, ausgebucht oder nicht existent. Die eine ist jedoch „umgebaut“ zu einer Rocker-Kneipe. Die schwer tätowierte Wirtin (?) verscheucht mich untätowierten und unmotorisierten Reisenden mit harschen Worten.

Immerhin geht es dann ein paar Kilometer bergab, wegen Gegenwind kaum merkbar. Schön langsam werde ich müde, mürbe, lustlos – ich zähle die Kilometer bis Kraliky, da gibt’s Quartiere!

Von weitem sehe ich die Penzion Na Červeném Potoce, stehenbleiben, reingehen, fragen – und ja, sie haben noch ein Zimmer!
Ein wahrer Glückstreffer, wie sich herausstellt. Einfach und geschmackvoll eingerichtet der Gastraum, freundliches Personal, wunderbares Essen.
Strava sagt, ich habe nicht ganz 120 Kilometer geschafft…

Freitag, 08.07.:
Ab 08:00 Uhr gibt es Frühstück, haben sie gesagt. Ich werde schon etwas früher durch den prasselnden Regen geweckt. Super. Immerhin, das Frühstück ist echt sensationell. Riesige Auswahl, großteils selbst gemachtes Zeux.
Ich lasse mir Zeit, aber es nützt nix, ich muss weiter. Es geht an der tschechisch-polnischen Grenze entlang, einige Bunker-Anlagen (inklusive Museum) gibt es hier, für militärgeschichtlich interessierte ein lohnendes Ziel, aber auch für Wanderer und Radfahrer. Wenn nur das grausliche Wetter nicht wäre. +13°C Durschnitts-Temperatur zeigt mein Wahoo (*), Regen, kein Regen, wenig Regen, viel Regen, ich wünsche mir Knielinge und ein wärmeres Unterleiberl (aber wer packt schon im Juli Knielinge und Langarm-Merino-Unterleiberl ein?).
Nach nicht ganz 95 km ist in Nachod Schluss. Ich quartiere mich im U Beranka, einem gediegenen Hotel in einem Jugendstil-Gebäude ein. Das Rad steht sicher in der Garage.
Ein kleiner Spaziergang, eine Burger-Hütte zieht mich magisch an. Details über meine Konsumation erspare ich euch – wenig war es nicht, soviel sei gesagt…
Ach ja, Strava-Link, wenn’s wer nachfahren will…

Samstag, 09.07.:
Frühstück gibt’s in diesem Hotel nur gegen (für tschechische Verhältnisse üppigen) Aufpreis, ich gönne mir das, schon alleine wegen dem wunderbaren Frühstücks-Speisesaal.

Ich esse sehr ordentlich und sehr viel, ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn mein Wahoo weist mir den Weg hoch zur Burg. Schiebepassage. Fast hätte ich das Frühstück wieder rausgespieben. Das Wetter schaut freundlich aus, sonnig, klar, aber kühl. Na, ja, das ist so in der Früh. Aber es wird nicht wärmer, ich ziehe mein Jackerl gleich wieder an. Und natürlich gibt es auch wieder Regen. Ein wenig, ein wenig mehr, keinen, ein wenig, ein wenig mehr…

Ich kurble also so dahin bis Doksy, eigentlich war (laut meinem Schummelzettel) dort ein Ruhetag eingeplant, am See entspannen, Wäsche waschen etc. Aber bei dem Wetter? Ich rolle bei der Penzion-Star Doksy vorbei, bleibe stehen, buche und checke ein. Das Zimmer ist klein, einfach, aber sauber, das Bad ist fast grösser als das Zimmer, aber ich brauche ja nicht mehr.
Duschen, umziehen, und um’s Eck in’s nächste Restaurant. Überraschung! Speisekarte mit englischen „Untertiteln“. Das hantieren mit dem Übersetzungsprogramm oder dem Kauderwelsch mit dem Personal entfällt. Ich esse viel, gut und günstig und liege bald darauf im Bett – für einen Spaziergang ist es mir zu kühl.
133 Kilometer auf und ab, sagt Strava.

Sonntag, 10.07.:
Während des Frühstücks überlege ich. Es ist nämlich bestes Radfahr-Wetter für Juli: 12°C, straffer Wind, leichter Regen. Breche ich gleich hier ab und setze mich in den Zug, hoffe ich doch noch auf besseres Wetter und fahre weiter? Ein Stück fahre ich noch, sage ich mir, bis zum Ende meiner „Etappe“ auf jeden Fall und dann: „… Schauma amoi …“.

Es geht – bis auf einen mühsam zu fahrenden, teilweise zu schiebenden Berg –  relativ flach dahin, straffer Wind von vorne, 11°C Durchschnittstemperatur, zwischendurch immer wieder leichter Regen. In Ústí nad Labem steht fest: Ich breche ab und fahre nach Hause.
Nicht ganz 58 Kilometer sagt Strava.

Der Rest ist schnell erzählt:
Mit der – auch auf Deutsch verfügbaren – APP der Tschechischen Eisenbahn (die übrigens – besonders bei der Sitzplatzreservierung bei den Rad-Abstellplätzen – besser funktioniert als die ÖBB-App) ein Ticket nach Prag und für den nächsten Tag nach Wien gebucht. Mit Booking ein Zimmer gecheckt. Essen, trinken, herumspazieren, sitzen, trinken, schauen…

Nachbetrachtung und Notizen (für mich und Interessierte):
Um die Runde wie geplant fertig zu bekommen, fehlen mir noch ca. 800 Kilometer. Ob ich mich heuer nochmal aufmache oder die Geschichte auf 2023 verschiebe, ist noch nicht ganz klar.

Etappenlänge und Schummelzettel sollten noch verfeinert werden, denn gerade im Grenzgebiet zu Polen und im ländlichen Raum ist der Internetempfang schwach bis gar nicht vorhanden, Quartiersuche, Orientierung (wenn man von der geplanten Route abweicht) daher etwas erschwert (wenn man, wie ich schon wieder, analoges Kartenmaterial daheim liegen hat).

Auch wenn Booking sagt „… ausverkauft …“, lohnt sich die Frage, ob noch ein Zimmer frei ist, und der Hinweis, dass man auch bar zahlen könnte/würde, sorgt manchmal auch für positive Überraschungen!

Schwere Beine, ganz, ganz schlechtes Wetter, Lust und Frust? Die tschechische Eisenbahn hat ein großartiges Netz und bringt einen zu guten Preisen (altersabhängig – siehe APP) – auch mit dem Rad von da nach dort.

Teil 1 ist hier.

Fragen, Wünsche, Kochrezepte? – Gerne in die Kommentare!


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