Mein 2. Vierhunderter-Brevet…

Wieder was dazugelernt – aber dazu später.
Samstag, 12.05.2018, der 400er-Brevet mit Start und Ziel bei der Tennishalle in Haid bei Ansfelden steht an. Top organisiert wie immer von Ferdinand Jung. Ich hab schon einige Tage vorher mein Rad hergerichtet (für den 400er gilt doch eine andere „Konfiguration“, als für eine gemütliche Ausfahrt – in meinem Tempo komm ich ja sicher in die Nacht).

Also, hier mein Canyon Endurace CF 9.0 mit Ultegra Kompaktgruppe 11-fach, allerdings mit einer 11/34-Kassette (ich bin ja der schwächste Bergfahrer des Burgenlandes – #seufz), vorderes Laufrad mit SONdelux-Nabendynamo, gebaut von „Klempner Wheels„. Als „Haupt“-Licht kommt ein Luxos U (*) zum Einsatz, als „Zweit“-Licht ein IXON Core (*) (ich hab ja in Sardinien was gelernt). Navigiert wird mit dem Wahoo ELEMNT (*), als Reserve und Ersatz für alle Fälle hab ich auch noch mein altes Wischtelefon montiert. Im Saddle-Pack von Topeak (*) ist genug Platz für Ärmlinge, Knielinge, Reserve-Unterleiberl, die geniale Essential-Jacke, die für Nachtfahrten unverzichtbare Wowow Reflex-Weste (*) und eine Stirnlampe. Und für eine (oder mehrere) Wurstsemmel(n) oder so wäre auch noch Platz…

Ich reise Freitag Nacht an, stell mich mit meinem Bulli und meinem kleinen Wohnwagen hinter die Tennishalle und schlafe wunderbar. Tagwache um 04:45 Uhr. Frühstück, Brevetkarte holen, anziehen, nochmal Rad checken, anziehen (kurz/kurz, aber mit Windweste – es ist doch noch kühl) und schön langsam zum Startplatz rollen. Einige starten schon um 05:30 Uhr, die schnellen starten um 06:00 Uhr, die weniger schnellen um 06:05 – dort bin ich auch dabei (es gibt keine Gruppe mit den langsamen).
Und so gehts mit ca. 33 kmh Richtung Nordwesten. Ich bin mir sicher, bei meinem Wahoo auf „Start“ gedrückt zu haben und meine Route auch geladen zu haben, aber auf einmal meldet er „… automatische Abschaltung in 30 Sekunden …“. Ohne Lesebrille sehe ich nicht viel und drück halt irgendwie herum… Egal, die Gruppe ist mir sowieso zu schnell und selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht mithalten (zumindest keine 400 km). Also bleib ich dann irgendwann stehen, zieh meine Windweste aus (es ist schon wärmer geworden) und starte den Wahoo neu. Alles funktioniert, wie wenn nix gewesen wäre. Ich fahre weiter, kurble in meinem Tempo und bei der 1. Kontrollstelle bei km 83 bin ich schon der Letzte. Aber es heisst ja: „… Ein Brevet ist kein Rennen …“ Und so gehe ich einmal zum 2. Frühstück in die nächste Fleischhauerei (die hier Metzger heißt) auf ein Leberkässemmerl. Dann gehts weiter nach Braunau (2. Kontrollstelle) und wieder Richtung Süden nach Haslau (3. Kontrollstelle). Meistens auf relativ ruhigen Nebenstraßen durch wunderschöne Gegend… Zwischendurch bleib ich halt ab und zu stehen, trink an der Tanke einen Kaffee, hol mir im Supermarket ein kleines Jauserl, mach ein oder zwei Fotos…

Irgendwann hängt sich mein Wahoo (erstmalig, seit ich ihn habe) total auf, friert ein, zeigt keine Route. Nach einem Neustart tut er so, als wäre nichts gewesen… Weiter durch den Wald nach Mondsee, dort schauts sehr gewittrig aus, ich bleib aber trocken.

In Erlat am Kronberg (4. Kontrollstelle) warten sie schon auf mich, denn dort „… gab es einem enormen Zeitunterschied von 5 Stunden zwischen den Ersten und dem Letzten …“ schreibt der Präsident in seinem Kurzbericht. Es geht wieder einmal bergab, Attersee – Mondsee – Wolfgangsee (in der Gegend von St. Gilgen ist die Straße nass – weil ich so langsam bin, hat mich der Regen nicht erwischt) und weiter nach Bad Ischl. Schön langsam könnt ich wieder was essen und ein Kaffee wär auch wieder einmal nicht schlecht, aber bei der Tankstelle (5. Kontrollstelle) heißt es nur „… Kaffeemaschine ist schon abgedreht …“, Semmeln oder anderes Gebäck gibts auch nicht mehr, also muss ein Packerl Schnitten reichen. Inzwischen ist es finster und auch etwas kühler, ich zieh meine Reflex-Weste an, schalte meine Lichter ein und es geht weiter – wieder Attersee (diesmal auf der anderen Seite) und nach Stadl-Paura (6. Kontrollstelle bei km 360). Ich erinnere mich an den letzten 200er-Brevet – dort war bei der Tankstelle der Leberkäse ausgesprochen gut. Aber diesmal – scheisendregg, die Tankstelle hat schon zu, bleibt mir nur mehr mein Reserve-Riegel und ein Gel…

Also auf, die letzten 40 Kilometer warten und sind irgendwie mühsam. Ich brauche über 2 Stunden dafür und fantasiere von einem Döner – den gibts aber nirgends. Irgendwo, ich glaub es war in Thalheim, fahr ich bei einer Imbiss-Bude vorbei, da steht „…Pizza rund um die Uhr…“. Da bin ich aber so schön im rollen, und kurz vor „daheim“, also bleib ich nicht (mehr) stehen.
Als ich bei der Tennishalle ankomme, ist alles finster und verlassen. Aber der Präsident hat mir eine Nachricht hinterlassen: „… Schlüssel ist in/an/unter … versteckt und Urkunde und Medaille liegen am Tisch …“. Ich hab also die Dusche für mich alleine, sperr alles wieder ab und ab in den Wohnwagen für ein Schläfchen!

Und was hab ich diesmal gelernt?

  • ich sollte mehr trainieren, dann muss ich nicht alleine durch die Nacht fahren,
  • im ländlichen Raum sind die 24-Stunden-Tankstellen sehr, sehr rar,
  • daher vor der Supermarkt-/Greisslerei-/Tankstellen-Sperrstunde noch ein Jauserl kaufen und im Saddle-Pack verstauen.

Inzwischen gibts vom Präsidenten noch einen Bericht in den Bezirksblättern

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9 Kommentare zu „Mein 2. Vierhunderter-Brevet…

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  1. Hallo Rudi, ein sehr schöner „gefühliger“ Bericht ist das von Dir. Genauso geht Brevet-Fahren über die längeren Distanzen: Das EIGENE Tempo finden und sich nicht verrückt machen lassen von den vermeintlich Schnelleren, die manchmal mehr Pausen brauchen und dann doch nicht früher am Ziel sind. Deine Ausstattung gefällt mir gut. Sehr ähnlich habe ich mich auch über die Jahre an die beste Lösung herangearbeitet ( bis mir dann doch wieder etwas besseres einfällt) Das ist eben ein nie endender Prozess… beste Grüße aus Berlin, Dietmar

    1. Danke Dietmar, ich arbeite ja auch noch an meiner Ausstattung – das war erst mein 10. Brevet überhaupt…
      Gruß aus dem Burgenland

  2. Hallo Rudi,
    ja, die leidige Navigation. Mit der hab‘ ich auch immer so meine lieben Probleme. Und um den Schnellen einfach hinterher zu fahren bin ich dann auch wieder nicht schnell genug.
    Und das halb blinde rumgetippe auf Navi oder Handy während der Fahrt kenne ich nur zu gut. Ich werde über kurz oder lang über eine Radbrille mit Gleitsichtgläsern nachdenken müssen. Wenn die nur nicht so teuer wären…
    Viele Grüße aus Duisburg!
    Markus

    1. Hallo Markus!
      mein Wahoo funktioniert eigentlich immer problemlos und zeigt auch in richtiger Größe an.
      Diesmal hat er halt einmal gesponnen, aber ich hab meine Lesebrille sowieso immer dabei…
      Gruß aus dem Burgenland

  3. Hallo Rudi,

    schöner und interessanter Bericht – ich habe am Kronberg erfahren, dass hinter uns noch einer ist. Wir sind tatsächlich etwas nass geworden am Wolfgangsee.

    Ich fahre am Anfang zwar auch gerne hinter der großen Gruppe her um in Schwung zu kommen aber länger ist es mir zu mühsam, immer darauf achten zu müssen was die Fahrer vor mir machen. Da hat man ja nicht viel von der Landschaft und zum Stehenbleiben überwindet man sich auch nur schwer.
    Bei vielen Teilnehmern ist die Wahrscheinlichkeit größer, irgendwann auf einen Mitfahrer mit ähnlichem Tempo zu treffen, um sich mit Windschatten auszuhelfen.

    Ich habe den Streckenplan immer sichtbar im Kartenfach meiner Lenkertasche. Aber das ist für dich vermutlich auch ein Problem mit der Lesbarkeit der kleinen Schrift.

    Beste Grüße
    Gerald

    1. Hallo Gerald!
      Mir ist das Anfangstempo immer zu hoch, ich bin wie mein Diesel – ich brauch eine Weile zum warm werden…
      Und es macht mir nix, alleine zu fahren, klar ist es (manchmal) schöner in einer Gruppe, aber wenn sich die richtigen nicht finden, ists mühsam…
      Mein Wahoo funktioniert eigentlich immer problemlos und zeigt auch in richtiger Größe an.
      Diesmal hat er halt einmal gesponnen, hat dann aber wieder problemlos funktioniert und mich „nach Hause“ gebracht. Notfalls hätt ich halt aufs Handy zurückgegriffen, dort hab ich die Route auch gespeichert…
      Gruß aus dem Burgenland

      1. Ich muss zugeben, dass ich mich ja schon bei der Anfahrt aufwärmen kann. Von mir aus könnte man es am Anfang aber auch langsamer angehen. Da ensteht so eine Gruppendynamik – gut wenn man sich nicht mitreißen lässt.
        Ich fahre lieber allein aber wenn es sich gerade ergibt sind neue Bekanntschaften auch nett.

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