Die schönsten Strophen sind die KataStrophen…

Die Idee war gut, die Planung und Ausführung mangelhaft. Irgendwie/irgendwann habe ich im Internet eine Seite entdeckt: Ca. 2.000 km wandern an der tschechischen Grenze entlang – auf Deutsch der „Tschechische Weg“ genannt.
Das fand ich (und finde noch immer) höchst interessant. Also etwas hineingelesen, die *.gpx heruntergeladen und mit/auf mapy.cz und Komoot etwas nachbearbeitet – teilweise die Wege an (markierte) Radrouten (an den ICT z.B.) angepasst, diverse Verbindungswege integriert etc.

Geplant war dann: Der pannonische Hitze entfliehen, eine Woche oder so mit dem Reiserad gemütlich an der tschechischen Grenze entlang nach Norden fahren und irgendwann nach Prag „hinüberziehen“ und mit dem Zug wieder heim. So weit, so gut.

Also Reiserad fertig gemacht, natürlich wieder viel zu viel eingepackt, Zugticket nach Laa an der Thaya gelöst und: ab dafür…

Tag 1: Noch alles easy
Ich steige um 08:45 Uhr in Schützen in den Zug, steige zweimal um und bin um 12:05 Uhr in Laa an der Thaya. Am Hauptplatz gönne ich mir eine Kombination aus zweitem Frühstück und Mittagessen, kaufe noch ein wenig Proviant und fahre los. Asphalt, Waldwege, Schotterpfade – alles dabei. Zuerst flach, dann etwas wellig, ein paar Anstiege. Ich kurble dahin, schaue, horche, rieche, vergesse auf’s fotografieren („… Die wahren Abenteuer sind im Kopf …“). Bei km 50 oder so schickt mich mein Wahoo (*) nach links zur Ruine Novy Hradek. Super Anlage, super Aussicht –  wenn geöffnet wäre, war aber nicht. Also wieder retour auf die Strecke. In Vranov (da war ich schon einige Male, sehr empfehlenswert) zum Bankomaten, Kronen besorgen. Eiskaffee, Cola, Mineralwasser und weiter. Als Tagesziel hätte ich mir (eigentlich) die Ruine Cornštejn ausgesucht, da war auf der Karte ein grosser Parkplatz und ein Shelter eingezeichnet und in so einer Ruine findet sich immer ein Schlafplatz. War aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte, der Shelter mickrig und die Ruine verschlossen (sagte ich schon: Vorbereitung mangelhaft). Egal. ich studiere die Karte am Handy (analoges Material liegt daheim), Zimmer gibt’s nicht in unmittelbarer Nähe, also fahren bis zu einem „Randonneurs“-Hotel, die Busstation in/bei Oslnovice ist ideal. Leider ist eine ebene Fläche nur direkt neben der Fahrbahn vorhanden, also drinnen alles herrichten. Ich koche noch Tee und eine chinesische Packerlsuppe, sitze noch eine Weile in der Abendsonne, lege mich irgendwann in den Schlafsack und schlafe wunderbar…
Der Tag auf Strava.

Tag 2: Leiden, Schmerzen, Ver(w)irrungen…
Ich stehe zeitig auf. Tee kochen. Katzenwäsche. Fahren. Frohgemut fahre ich in den Wald. Es ist zwar ein Wanderweg, aber wie eine Forstautobahn und schön zu fahren. Nach ein paar Kilometern sehe ich auf meinem Wahoo ein Schleiferl und eine Alternativstrecke. Ich schaue nochmal auf’s Handy, hmmm, die Schleife kann ich eigentlich abkürzen. Ich folge dem Weg, der Weg wird zum Pfad, der Pfad wird zum Nichts… Aber ich sehe den Weg ein paar hundert Meter unter mir, also nicht umdrehen, sondern über Stock und Stein, durch die Dornen, durch den Wald. Natürlich steche ich mir einen ordentlichen Dorn ins Vorderrad. Also fluchend etwas bergauf schieben bis zum nahen Shelter. Meine neuen Tubolito (*) – die neuen, speziellen, pannensicheren, liegen natürlich eh zu Hause, ich wollte sie noch montieren, aber…
Mantel runter, Schlauch raus, neuen Schlauch rein, Mantel rauf – aber nur bis zu den letzten Zentimetern. Ich krieg den scheiß Mantel nicht rauf. Eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, vorbeikommen tut natürlich auch keiner, der Mantel verweigert. Reifenheber sind zwar im Gepäck, aber die verwende ich ungern, die Gefahr des „zwickens“ ist ja groß. Aber dann nehme ich ihn doch – den stabilen gelben (*) – und „…plopp…“ – drauf ist er, Schlauch nicht gezwickt. Mit meiner Lezyne Minipumpe (*) ist das aufpumpen kein Problem und gleich erledigt.
Kopfschüttelnd über soviel Dummheit fahre ich weiter. Schön an der Thaya entlang. Irgendwann zweigt der markierte Radweg rechts ab, mein Wahoo sagt „geradeaus“. Ok, es ist (noch) ein toller Wanderweg, aber dann, nach einigen Kilometern, kommt das:

Richtig steil, aber wirklich richtig steil. Daneben ist der MTB-Weg. Lehmig, rutschig, glatt, keine Stufen, kein hochschieben möglich. Fragt nicht, wie lange ich gebraucht habe, mein ungefähr 25 kg schweres Topstone da hinauf zu befördern. Einzig der Ausblick war dann schon eine Sensation. Eine halbe Stunde sitzen, nach Luft schnappen, Gel, Riegel (*) verschlingen, trinken, Luft holen – und von den Gelsen, Bremsen und anderem Getier beißen und stechen lassen. Viele Körner habe ich hier verbraucht. Dann weiter bis zur Burg Landštejn, dort gönne ich mir ein Jauserl. Es geht weiter auf und ab, eigentlich bin ich schon „blau“ gefahren, aber was solls. Heute soll es aber eine Dusche und ein richtiges Bett sein, also wie/wo/was? Trotz meines Alters bin ich Mitglied beim Jugendherbergsverband und habe zufällig noch einen Gutschein für die Jugendherberge in  Neunagelberg. Das ist ja gleich ums Eck und da brauche ich mir ja keine Strecke erstellen und auf den Wahoo spielen – hahaha. Links, rechts, Norden, Süden, Osten, Westen – irgendwie komme ich diesmal nicht ganz klar und verfranze mich ein paar Mal. Als ich dann bei der Jugendherberge ankomme, ist die Rezeption geschlossen und niemand erreichbar – also ab nach Gmünd. Booking (*) meint allerdings: „… alles voll …“, aber ich ergattere doch noch ein Zimmer. Duschen, duschen, duschen, dann in die Pizzeria, essen, trinken, essen, trinken. Ab ins Zimmer, und ich hab geschlafen wie ein Stein…
Tag 2 auf Strava.

Tag 3: Der Wind bläst mir die letzten Körner aus den Beinen…
In der Nacht beginnt es ordentlich zu regnen. In der Früh regnet es noch immer. Wettercheck auf den diversen Apps – schaut schlecht aus. Befragung einiger Einheimischer – „… Do brauxt ned ummefoan de näxten 2 Tog, des Wedda bleibt hänga …“.
Also wieder einmal „Plan B“. Abbruch, ab in die Heimat (ein Zugticket ist billiger als 2 Nächte in Gmünd) und demnächst ein neuer Versuch. Ich plane über Zwettl, Krems und/oder Tulln nach Wien und von dort mit dem Zug nach Hause. Druck aufs Pedal bekomme ich nicht wirklich mehr, ich leide auf den geschmierten Anstiegen im Waldviertel. Der Regen, die gestern verlorenen Körner, der Frust, und vor allem: der konsequente kräftige Wind aus Süd-Ost, also von vorne, der nicht nachlässt, der nicht dreht. Immerhin, in Zwettl hört der Regen auf – der Wind leider nicht. Essen in der Fleischerei am Hauptplatz, Kaffee und Flaschen füllen beim Mäcki, raus aus dem Regengewand, Pause. Wieder weiter. Ab Gföhl geht es dann endlich bergab und flach dahin, der Wind kommt noch immer von vorne, die Beine werden schwerer und schwerer…

Ich werde langsamer und langsamer, mache alle 10 Kilometer eine Pause und in Tulln ist Ende. Ich bin sicher, ich fahre keinen Meter mehr, gleich hier und jetzt steige ich in den Zug! Ich setzte mich auf die nächstbeste Bank, konferiere mit „Scotty“ und siehe da – in ca. 40 Minuten habe ich eine tolle Verbindung.
Da geht/gehen sich am Hauptplatz noch ein (oder mehrere zwei) Frustbekämpfungsdrink(s) aus. Ich rolle zum Hauptplatz, und zu guter Letzt auch das noch:

Ich habe schon bei den letzten Pausen gemerkt, irgendwie tue ich mir beim ausklicken schwer. Dreck zwischen Pedal und Cleats war mein Gedanke. Aber irgendwann/irgendwo hat sich offensichtlich eine Schraube gelockert und jetzt ist nix mehr mit ausklicken. Froh bin ich, dass ich nicht vor dem vollen Café umgefallen bin. Schuhe und Socken ausziehen, hinsetzten und so tun, als wäre nix, trinken, zahlen, zum Bahnhof marschieren.
Während der Zugfahrt dann mit roher Gewalt Schuh und Pedal trennen, Cleats runterschrauben, Socken und Schuhe wieder anziehen und die letzten Kilometer vom Bahnhof zur Homebase ohne fixe Verbindung heimkurbeln.
Strava zeigt die Strecke des 3. Tages.

Fazit und Notiz(en) an mich:

  1. Bei der Strecken-Planung nicht so schludrig sein, nach einem Tag nochmal drüberschauen, also Check-Recheck-Doublecheck,
  2. Vielleicht doch ein Packliste machen (wegen der vergessenen analogen Karten und der vergessenen Handyhalterung warads gewesen)…,
  3. Packliste optimieren – was brauche ich wirklich und was brauche ich wirklich nicht (habe ich auf den letzten Reisen noch nie gebraucht),
  4. Schummelzettel etwas genauer/detaillierter,
  5. Gewichtsoptimierung,
    a) abnehmen,
    b) siehe Punkt 3 – brauch ich des ganze Glumpert wirklich?

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Ein Kommentar zu „Die schönsten Strophen sind die KataStrophen…

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  1. Das mit der verlorenen Cleat-Schraube hatte ich vor X Jahren auch einmal erlebt. Seither führe ich in der Ersatzteilbox ein Reserve-Cleat und Schrauben mit (und habe sie noch nie gebraucht)…

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