Wien – Mistelbach: Protokoll eines Scheiterns – Der Kilometermacher

Wien – Mistelbach: Protokoll eines Scheiterns

Bis zum 24.05. kann man den Grevet #2 – Weinviertel – „… Die vielen Gesichter des Wiener Nordens …“ – noch innerhalb der Wertung absolvieren. Ich hab‘ Zeit und Lust, also wird mein Topstone hergerichtet. Wie üblich: Nur kleines Gepäck – Werkzeug (*), Regenjacke (*), Zauberpulver (*), ein paar Riegel (*) und Gels (*)…

Ich stehe (relativ) zeitig auf, verpasse aber durch meine Trödlerei den REX um 06:27 (oder so), nehme also den nächsten (um 07:00 oder so), steige in „Wien Grillgasse“ aus und schlängle mich durch die Stadt zum Startort beim „Ernst-Happel-Stadion“.

Ein 2. Frühstück und dann fahre ich los. Es sind doch noch einige Kilometer bis ich aus der Stadt draußen bin und dann merke ich: Es weht ein kräftiger, sehr kräftiger Wind und natürlich kommt er meistens von vorne. Es geht flach zwischen Feldern und Windrädern durch’s landwirtschaftlich geprägte Marchfeld bis nach 50 Kilometern Gänserndorf erreicht ist. Dort mache ich einen Schlenker zum Supermarkt: Verpflegung einkaufen, Flaschen nachfüllen und die Köstlichkeiten (?) dann am Straßenrand genießen…

Es geht weiter. Die Landschaft, wird etwas hügeliger – der Ackerbau wird durch andere Bewirtschaftungen abgelöst. Windräder wechseln sich mit „Pferdeköpfen“ (Ölpumpen) ab oder teilen sich den Platz. Irgendwie bläst mir (jetzt schon) der Wind die Körner aus den Beinen. Bei Kilometer 59 bin ich am Checkpoint #1. Es ist inzwischen schon 13:00 Uhr!
Ich trinke und esse wieder und versuche dann, irgendwie windgeschützt (kaum möglich) eine halbe Stunde ein Schläfchen zu machen. Hügelig geht es weiter. Trinken, trinken, essen – so erinnert mich mein neuer Wahoo (*) regelmässig – früher habe ich oft drauf vergessen. Die Beine tun schon weh, der Puls viel zu hoch, eine Bank, ich setz mich kurz hin. Trinken, trinken, essen – die Beine tun weh, der Puls viel zu hoch, eine Bank, ich setz mich kurz hin…
In Hohenkruppendorf eine kleine Adeg-Filiale, betretbar und Einkaufsmöglichkeit auch außerhalb der Öffnungszeiten – Zutritt und Bezahlung mit Karte, wunderbar. Zuckerwasser, Wurst, Käse, Weckerl, Süsskram.
Der Wind wird nicht schwächer, wechselt auch nicht die Richtung. Trinken, trinken, essen – die Beine tun weh, der Puls viel zu hoch, eine Bank, ich setz mich kurz hin…
Die Hügel sind nicht besonders steil und auch nicht besonders lang, trotzdem quäle ich mich mit dem dünnsten Gang hinauf und ab und zu schiebe ich auch.

Kilometer 80: Die Fischteiche von Nexing. Ein Wirtshaus. Endlich ein Spritzwein, denn das Zauberpulver in den Flaschen schmeckt auch schon grauslich.

Und weiter, Hügel um Hügel. Gegend schön, Wind kräftig, Beine leer, Akku leuchtet schon rot. Trinken, trinken, essen – die Beine tun weh, der Puls viel zu hoch, eine Bank, ich setz mich kurz hin… Kurbelei am kleinsten Gang, wie gibt’s das, was ist los mit mir, hat mir irgendwer Kryptonit in die Flaschen gefüllt?
Schier endlos die 2 oder 3 Kilometer von Eibesthal auf den Trausnitzerberg.
Fotos dann beim Checkpoint #3 und runter nach Mistelbach. Es ist inzwischen 18:30 Uhr. Ich bin also seit 10 Stunden unterwegs, mächtig spät für die Halbzeit!

So war das nicht geplant und die 2. Hälfte ist ungleich schwerer, wie’s aussieht. Ich setz mich in’s Café Harlekin, trink etwas, esse ein Harlekin-Sandwich (das mich nicht von Hocker haut, obwohl ich bis jetzt immer sehr gut gegessen habe – bin ja öfters „da oben“ unterwegs).

Was mache ich jetzt? Ich bin eigentlich schon wirklich komplett leergefahren und erledigt, hätte noch 100 Kilometer (davon sicher 60 im Finstern) vor mir. Weiterfahren? Ein Zimmer nehmen und morgen außer Konkurrenz fertig fahren? ÖBB?

Ich wähle die ÖBB, checke ein Ticket und fahre nach Hause…


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